Mitten im reizvollen Ambiente der Altstadt von Tbilisi liegt die Obere Bethlehemkirche, auch als Kirche der Heiligen Mutter Gottes von Bethlehem bekannt. Das ehrwürdige Gebäude, ursprünglich im 18. Jahrhundert als armenische Kirche über einem älteren Kultplatz errichtet, dient heute als georgisch-orthodoxe Kirche. Die Kirche steht als historisches Wahrzeichen am Fuße der Narikala-Festung im Stadtteil Roch und zeugt von der religiösen Entwicklung der Stadt.
Der Weg zur Oberen Bethlehemkirche führt über die malerische Betlemi-Treppenstraße. Nach dem Aufstieg über 120 Stufen, vorbei an Gärten am Felsrand, erreicht man die Kirche, eingebettet zwischen Rosenbüschen, alten Reben und Bänken – ein einladendes Refugium der Ruhe. Vom Gipfel eröffnet sich zudem ein atemberaubender Blick über die Stadt Tbilisi.
Die Geschichte der Oberen Bethlehemkirche reicht bis ins späte 5. Jahrhundert zurück; die ursprüngliche Kirche soll von König Vakhtang Gorgasili errichtet worden sein. Dieses Bauwerk wurde 1225 von Jalal al-Din zerstört und später durch das Kloster der Mutter Gottes ersetzt, das von armenischen Einwanderern gegründet wurde und dem Gebiet den Namen Petkhain gab.
Im 18. Jahrhundert erfuhr die Kirche einen umfangreichen Wiederaufbau unter der Leitung von Agha‑Meliq Bebutyan, einem Teilnehmer an Nadir Shahs Feldzug nach Indien. Trotz mehrerer unvollendeter Bauphasen, Renovierungen und der Nutzung als Goldschmiede während der Sowjetzeit kehrte die Kirche 1991 wieder zu ihren spirituellen Wurzeln zurück; 1994 wurden unter dem georgischen Patriarchat orthodoxe Gottesdienste wieder aufgenommen.
Architektonisch besticht die Obere Bethlehemkirche durch ihren kreuzkuppeligen, hallenartigen Bau, reiche Ornamentik und filigrane Reliefs. Die Renovierungen im 18. und 19. Jahrhundert gaben der Kirche ihre heutige Gestalt, geprägt von einer intimen, krippenähnlichen Nische im Altarraum, in der symbolisch eine Ikone mit dem Stern der Geburt Christi aufbewahrt wird.
Besucher können sich an der Darstellung von Cherubim und der Mutter Gottes unter den Engeln an der Nordfassade erfreuen, an einem geketteten Löwen auf dem Tambour sowie an Fresken von Basil Zandukeli. Die Kirche birgt zudem Reliquien von 6.000 Mönchen aus Gareja, die durch eine Gedenkikone geehrt werden.
Angrenzend steht ein zweistöckiger Ziegelturm aus dem 17. Jahrhundert, dessen Kuppelpavillon aus behauenem Stein das historische Ensemble weiter bereichert. Die Obere Bethlehemkirche fasst so die spirituelle Entwicklung der Stadt zusammen und ist ein Muss für alle, die Tbilisis vielschichtige Vergangenheit erkunden möchten.
