Das Atashgah von Tbilisi, nur etwa 100 Meter östlich der Heiligen-Mutter-Gottes-Kirche von Bethlehem gelegen, ist ein Zeugnis Georgiens reicher und vielfältiger Religionsgeschichte. Auch als Ateshgah bekannt, bedeutet sein Name aus dem Persischen "Ort des Feuers" und gewährt einen Einblick in die einst in seinen ehrwürdigen Mauern gepflegten heiligen Rituale.
Versteckt an den historischen Hängen nordöstlich der Statue "Mutter Georgien" (Kartlis Deda) präsentiert sich das Atashgah als unscheinbarer Ziegelbau, geschützt durch ein gewölbtes Plexiglasdach. Es zählt zu den ältesten noch erhaltenen religiösen Gebäuden in Tbilisi, diskret eingebettet zwischen moderner Architektur und dem historischen Stadtkern der Hauptstadt.
Das genaue Errichtungsdatum liegt im Dunkeln, doch man geht davon aus, dass das Atashgah in der Sassanidenzeit (224–651 n. Chr.) erbaut wurde, als Georgien Teil des mächtigen Persischen Reiches war. Diese Epoche war geprägt von einer Blüte des Zoroastrismus; das Atashgah diente als wichtiges spirituelles Zentrum und war bekannt für seine duftenden Feuer, die mit Obstholz entfacht wurden. Sein Anspruch, der nördlichste zoroastrische Feuertempel der Welt zu sein, unterstreicht seine besondere religiöse Bedeutung.
Die Widerstandsfähigkeit des Atashgah gegenüber historischen Umbrüchen ist bemerkenswert. Als Tbilisi in kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Persern und türkischen Muslimen wechselte, diente der Tempel zeitweise als Moschee. Später wurde er als Lagerhaus und sogar als Wohnraum genutzt. Trotz dieser Wandlungen blieb seine spirituelle Essenz erhalten und verschaffte ihm einen Platz in Georgiens Liste der Denkmäler nationaler Bedeutung.
Die norwegische Regierung erkannte 2007 die historische und kulturelle Bedeutung des Bauwerks und beteiligte sich an einem Restaurierungsprojekt. Dank dieser Maßnahmen steht das Atashgah heute als Symbol für Georgiens reiche religiöse Geschichte und heißt Besucher willkommen, die das Erbe des Zoroastrismus in diesem lebendigen Land erkunden möchten.
