Die Evangelisch‑Lutherische Kirche in Tbilisi entstand aus der Ansiedlung schwäbischer Deutscher im Kaukasus zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Aufgrund politischer, religiöser und wirtschaftlicher Zwänge mussten sie ihre Heimat verlassen; ihnen wurde eine Umsiedlung in den Kaukasus angeboten.
Bis 1818 entstanden in Georgien sechs schwäbische Kolonien, bald sollten weitere folgen. In jeder dieser Siedlungen bewahrten die fleißigen schwäbischen Landwirte ihre lutherischen Traditionen und richteten Gotteshäuser ein, die mit der Zeit zu Kirchen wurden. Mit dem Aufstieg des Kommunismus wurden religiöse Rituale jedoch stark eingeschränkt, was zu einem Rückgang des religiösen Lebens bei den Lutheranern führte — ein Schicksal, das auch die orthodoxe Gemeinde traf.
Einen schweren Schlag erlitten die deutschen Lutheraner in Georgien 1941, als 23.580 Personen deutscher Abstammung aus Georgien deportiert wurden. 1945 zwangen deutsche Kriegsgefangene zum Abriss ihrer Kirche am Marjanishvili Square.
Von 1995 bis 1997 wurde an der Stelle eines ehemaligen deutschen Friedhofs in der Graneli Street eine neue Kirche errichtet. Diese, bekannt als Church of Reconciliation, wurde von Dr. Gerd Hummel initiiert und finanziert; er war der erste evangelisch‑lutherische Bischof Georgiens.
Trotz aller Widrigkeiten feiert die evangelisch‑lutherische Kirche in Georgien ihr 200‑jähriges Bestehen, zusammenfallend mit dem 500. Jahrestag der Reformation. Gründung und Wachstum der Gemeinde spiegeln die Widerstandskraft der schwäbischen Deutschen wider, die sich ursprünglich in der Region niederließen.
Schwäbische Deutsche kamen 1817–1818 nach Georgien und gründeten bis 1819 acht deutsche Kolonien im Südkaukasus; heute sind 23 Siedlungen identifiziert. Mit ihrer ausgeprägten Arbeitsethik trugen die Deutschen wesentlich zur Wirtschaft bei — im Weinbau, in der Landwirtschaft, Tierhaltung, Pharmazie und anderen Bereichen.
Trotz unterschiedlicher religiöser Überzeugungen unter den Siedlern fanden sie schließlich zusammen und integrierten sich in die offizielle Lutherische Kirche. Johannes Bernhard Saltet, 1827 zum Hauptpastor ernannt, spielte dabei eine entscheidende Rolle; 1834 wurde in der Siedlung Neu Tiflis die erste Kirche gegründet.
Die lutherischen Deutschen prägten Georgiens Architektur, Kunst und Kultur nachhaltig. Ihnen werden markante Bauwerke zugeschrieben, darunter das Tbilisi National Opera and Ballet Theater, die Kashueti Church und der Likani Palace. Ihr Einfluss zeigt sich auch in den Medien: sie gründeten die Zeitung "Caucasus Post".
Die deutschstämmige Gemeinschaft in Georgien erlitt jedoch Verfolgung während des Ersten Weltkriegs und in der sowjetischen Ära, was zu erheblichen Verlusten an Immobilien und religiösen Freiheiten führte.
In jüngerer Zeit hat die Evangelisch‑Lutherische Kirche in Georgien unter Dr. Gert Hummel ihr soziales Engagement deutlich ausgeweitet. Sie betreibt heute Altenheime, eine Suppenküche und leistet medizinische Hilfe für Bedürftige — und ist so zu einem integralen Bestandteil der lokalen Gemeinschaft geworden.
