Tief im Herzen der Gemeinde Chiatura in Georgien verbirgt sich eine Zeitkapsel prähistorischer Erdgeschichte. Willkommen in der Dzudzuana Cave, einem beeindruckenden geologischen Meisterwerk und dem Geburtsort der ältesten gefärbten Flachsfasern der Welt. Diese unterirdische Schönheit lädt zu einer aufregenden Zeitreise ein und verfolgt die Ursprünge unserer Kleidung bis an diesen Ort.
Im Jahr 2009 machte das amerikanische Wissenschaftsmagazin 'Science' eine außergewöhnliche Bekanntgabe. Archäologen hatten hier die ältesten bekannten gefärbten Flachsfasern entdeckt, mit einem Alter von erstaunlichen 36.000 Jahren. Bis zu diesem Fund hielt Dolní-Vestonice in der Tschechischen Republik den Rekord für die ältesten Fäden, gesponnen aus Brennnessel.
Das Aufkommen von Kleidung, vermutlich aus Tierhäuten, war ein bedeutender evolutionärer Schritt: Schutz vor den harten Bedingungen der Eiszeit förderte das Überleben und das Bevölkerungswachstum. Aber wann wechselten Menschen erstmals von Tierhäuten zu gewebten Pflanzenfasern? Die Antwort lag tief verborgen in der Dzudzuana Cave.
Diese prähistorischen Textilien, über 30.000 Jahre alt, wurden vermutlich mit einheimischen Pflanzen gefärbt, wie Eliso Kvavadzes Pollenanalyse nahelegt. Diese Erkenntnis zeichnet ein lebendiges Bild unserer erfinderischen Vorfahren, die die Schätze der Natur nutzten, um ihre Gewebe zu färben.
So faszinierend war diese Textiltechnik, dass einige Forscher spekulieren, die mythische Suche der Argonauten nach dem Goldenen Vlies sei in Wirklichkeit der Versuch gewesen, die Flachsverarbeitungstechnik aus Kolchis, einem antiken georgischen Königreich, zu erlangen.
Heute zieht die Dzudzuana Cave weiterhin Besucher in ihren Bann. Eingebettet am rechten Ufer des Nekrisi nahe dem Dorf Mghvimevi erstreckt sich die Höhle 175 Meter in die Länge und ist 160 Meter tief. Diese Karsthöhle ist ein zweistufiges Labyrinth, durch das ein malerischer Bach fließt und ihre mystische Ausstrahlung noch verstärkt.
Spuren ihrer oberpaläolithischen Bewohner spiegeln sich in der reichen Fundpalette wider: menschliche Siedlungen und Überreste von Tieren wie Braunbären, Höhlenbären, Wildpferden, Bisons und Steinböcken. Die faszinierenden Tropfsteingebilde verleihen der Höhle eine zusätzliche geheimnisvolle Note und machen einen Besuch der Dzudzuana Cave zum Muss für Geschichtsinteressierte und Abenteuersuchende.
