Das Parlament Georgiens an der Rustaveli Avenue in Tbilisi verkörpert das höchste Organ der Volksvertretung: Es übt die gesetzgebende Gewalt aus und prägt Innen- wie Außenpolitik. Das Parlamentsgebäude, ursprünglich das Regierungsgebäude der ehemaligen Georgischen SSR, ist ein eindrucksvolles Beispiel georgischer Architektur der Sowjetzeit.
Das Ensemble besteht aus zwei Baukörpern: Der obere wurde 1938 errichtet, der zweite entlang der Rustaveli Avenue 1953. Das Gebäude integriert gekonnt Motive traditioneller georgischer Architektur. Von den einzelnen Bauteilen über die Dekore bis zum Verblendmaterial – goldfarbener Tuff – spiegelt jedes Detail die georgische Bauästhetik wider. Die beiden Baukörper sind durch einen inneren Hof-Vestibül verbunden, mit Treppen und Fontänen, die sich harmonisch in das Umfeld einfügen.
Vor der heutigen Bebauung stand an dieser Stelle die Alexander Nevsky Military Church, errichtet 1865–1866 zum Gedenken an die Eroberung des Kaukasus durch das Zarenreich. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde die Kirche abgerissen und 1938 mit dem Bau des Regierungshauses begonnen. Die Bauarbeiten unter der Leitung der Architekten Kokorin, Lezhava und Nasaridze dauerten bis 1965 an.
Als Sitz der Legislative war das Parlamentsgebäude zugleich Schauplatz bedeutender historischer Ereignisse. Die tragischen Ereignisse des 9. April 1989, als die sowjetische Armee eine friedliche Demonstration für die georgische Unabhängigkeit attackierte, ereigneten sich vor diesem Gebäude. Ein Mahnmal erinnert heute an die an diesem Tag Gefallenen.
Das Parlament Georgiens ist mit seiner monumentalen Gestalt weit mehr als ein Regierungsgebäude: Es mahnt an den Kampf der Nation um Unabhängigkeit und spielt weiterhin eine prägende Rolle für die Zukunft Georgiens.
